Der Sommerurlaub im Süden muss leider ausfallen, weil die prospektiven Urlaubskommunarden mit ihren Karrieren, ihren Kindern oder den Karrieren ihrer Kinder beschäftigt sind. Also doch Pärchenurlaub. In Norwegen. Denn wer braucht schon Sonne, Strand, Mittelmeer und billigen Rotwein, wenn man auch Regen, Kälte im Hochsommer, Mücken, teures dänisches Bier und den arktischen Ozean haben kann?
Der Chef hat den Urlaub zwar noch nicht genehmigt, aber ich setze einfach mal darauf, dass Norwegen nicht ausliefert. Die Anfahrt wird ein bisschen anstrengend, weil die beste Lebensgefährtin von allen nebenbei noch als die angesagte DJane Nummer Eins im nördlichen Rheinland-Pfalz die Nacht vorher auflegt. Sie kommt im Hellen nach Hause und fahren wir los.
Am ersten Tag geht es hoch bis an die Nordspitze von Dänemark. Zum Cachen wird nur zweimal an Autobahn-Caches gehalten. Einmal in Schleswig-Holstein (GC1WTTT), und der Länderpunkt Dänemark muss natürlich eingesammelt werden (GC20YNP). Autobahn-Caches sind ja auch so eine umstrittene Sache. Viele mögen sie nicht, weil es ja fast immer Micros an nicht gerade besonders ansprechenden Orten sind, aber ich habe sie eigentlich ganz gerne (Pissecken-Caches natürlich ausgenommen, das versteht sich ja von selbst). Sie sind halt eine kleine, nette Abwechslung für Pausen - nicht mehr und nicht weniger. Deshalb habe ich auch immer ein etwas schlechtes Gewissen, wenn ich ihnen bei GCVote nur zwei Punkte gebe.
Nach einer kurzen Nacht geht es mit der Fähre von Hirtshals, Dänemark, nach Kristiansand, Norwegen. Ich bin enttäuscht. Mir wurden durstige Norweger versprochen, die, sobald die Fähre in internationalen Gewässern ist, die Alkoholvorräte im Duty-Free-Shop abräumen, um sie mit kurzem Zwischenstopp in ihren Mägen über die Rehling zu befördern. Aber nichts davon. Überall hängen Schilder, dass der Konsum von zollfreiem Alkohol auf der Fähre verboten ist. Drogentourismus ist auch nicht mehr, was er einmal war.

Norwegen! Wir sind mit dem Auto angereist. Das braucht etwas Zeit - zwei Tage ist man schon unterwegs - und ist auch nicht ganz billig, weil der Sprit ja nicht gerade für umsonst verteilt wird und so mancher Fährmann um Entlohnung bittet. Dafür biete das Auto größtmögliche Flexibilität. Autofahren in Norwegen ist sehr angenehm. Es gibt so gut wie keine Autobahnen und das Tempolimit auf Landstraßen liegt bei 80. Das hört sich jetzt so an, als würde man immer mit angezogener Handbremse fahren, aber die Serpentinen geben tatsächlich auch nicht viel mehr her. Der Norweger als solcher ist ein äußerst rücksichtsvoller Autofahrer. Das ist zwar langweiliger als der Kampf aller gegen aller auf deutschen Autobahnen, aber im Urlaub will man sich ja auch mal erholen.
Für einen Badeurlaub empfiehlt sich Norwegen nicht unbedingt - es ist halt die Nordsee, und die kommt auch im Hochsommer nicht so richtig auf Temperaturen. Aber zum Cachen kann man das Land wirklich empfehlen. Was für eine Landschaft! Die Cachedichte ist noch nicht so hoch wie in Deutschland, aber das spricht eher für Norwegen. Dort klebt noch nicht hinter jeder Leitplanke ein Micro. Man hat trotzdem genügend Caches zur Auswahl, und die sind - wie hier in Deutschland vor ein paar Jahren - in der Regel Small oder Regular und an sehenswerten Orten versteckt. Im Unterschied zu Deutschland (früher) liegen fast nur Tradis. Aber die haben es durchaus in sich. Da wird mal nicht gerade mit dem Auto vorgefahren, sondern es muss richtig gewandert werden. Das alles ohne großen Schnickschnack - keine schwierigen Rätsel an den Stationen, keine originellen Aufbauten: hin, finden und fertig. Also weder etwas für Statistik- noch für Extrem-Cacher, aber Genuss-Cacher kommen voll auf ihre Kosten. Wir machen nicht mehr als zwei Caches am Tag. Für einen Cache muss man dann schon mal 10 km fahren und dann 1/2 bis 3 Stunden wandern. Aber wie gesagt. Als Genusscacher haben wir uns angeschaut, was uns in der Gegend interessiert und sind die Caches dann gezielt angefahren. An unserem ersten Standort auf der Insel Holsnøy ist das zum Beispiel eine schöne (halb-)Tagestour zu den Caches "The Firemountain" (GCKVKZ) und "Beacon" (GCN70F). Von Höhe des Meerspiegels geht es ungefähr 300 Meter hoch und dann dort oben auf der Höhe von dem einen Cache zum anderen. Sauschöner Aufstieg durch Geröllfeld und Flussbetten, alles ein bisschen feucht natürlich, aber an nasse Füße gewöhnt man sich mit der Zeit - nach ein paar Jahren mehr oder minder intensiver Nutzung sind auch Goretex-Stiefel undicht.

Selbst die Lebensabschnittspartnerin, die sonst nicht die größte Wanderin ist, kann nicht genug bekommen. Und leer ist es. Auch zur Hauptsaison trifft man kaum mal einen anderen Wanderer. Die Wanderstrecken sind eigentlich alle super schön. Nicht so auf asphaltierten Wirtschaftswegen mit Durchgangsverkehr, sondern verschlungen Pfade mitten in der Natur. Und die Natur ist fett! Fjorde, Wasserfälle, grün überall. Einfach nur schön! Es gilt auch hier (bzw. dort), dass Geocaches die besten Tourismus-Führer sind. Die Wege zu den Caches sind mindestens so schön, wenn nicht schöner, wie das, was die Reiseführer beschreiben. Ja, da ist richtig viel Natur um uns rum. Ich lasse die Lebensabschnittsgefährtin vorgehen, mit der Begründung, dass sie das Tempo vorgeben soll. Das hat auch den Vorteil, dass die Tiefe der Schlammlöcher schon bekannt ist, bevor ich reintrete, und die Zecken auf dem Weg eingesammelt sind. :-)
Cachebeschreibungen sind fast immer auf Norwegisch und Englisch verfasst. Da sollte sich die Szene in Deutschland mal ein Beispiel dran nehmen! Und nein, damit meine ich jetzt nicht, dass Ihr Eure Cache-Beschreibungen künftig auf Norwegisch abfassen sollt. ;-)
Das Wetter ist sehr wechselhaft. Trotz Hochsommer nicht übermässig heiß, sondern richtig angenehmes T-Shirt-Wetter, was nicht zuletzt am ständigen Wind liegt. Jeden Tag regnet es mehrmals, die Sonne scheint nur kurz durch die Wolkendecke. Wie schon geschriegen, ist halt kein Sommer-Sonne-Badeurlaub. Für Geocacher sollte das aber kein Problem sein, schließlich reicht die Ausrüstung des durchschnittlichen Cachers ja locker für Expeditionen ins Himalaya. ;-)
Nach einer Woche in einer Hütte in Holsnøy geht's Richtung Osten den Hardangerfjord entlang. Die Strategie: Stück-für-Stück naturnäher werden. Anfangen mit einer festen Behausung, am Ende mit dem Rucksack durch die Gegenden, in denen Amundsen für seine Polar-Expeditionen geübt hat. Dazwischen geht es zur Akklimatisierung auf einen Camping-Platz. An der Rezeption hängt ein Schild, "Fawlty Towers". Niemand erwähnt den Krieg. Der Orts-Cache erinnert an zu Hause: Ein Nano, irgendwo mitten auf einen Friedhof gepappt. Ich gebe die Suche schnell auf, finde dafür WLAN vor einem Hotel in der Nähe.

Tagesausflug zum Hardangervidda Natursenter und Wasserfall Vøringsfossen. Ein paar Empfehlungen aus dem Reiseführer abklappern. Beides eher enttäuschend. Das Naturcenter zeigt ein paar ausgestopfte Tiere. Highlight soll ein Panorama-Film sein, der einen Überflug der Hardangervidda im Helikopter zeigt. Uns wird dabei nur etwas schlecht. Auch verstehen wir den Sinn nicht so recht: Warum einen Film gucken, wenn The Real Stuff direkt vor der Tür liegt? Auch der Wasserfall ist jetzt nicht so der Brüller. Nichts gegen Wasserfälle, aber da in den Fjorden gibt's einfach verdammt viele davon. O.K., der ist ein bisschen größer, aber das war's auch. Die Caches auf dem Weg sind total langweilig. Bonbondosen in Trockensteinmauern. Komplett überflüssig. Am Vøringsfossen wäre ein Earth-Cache zu lösen. Aber dieses bemüht pädagogische Gedöns bei Earth-Caches geht mir auf den Senkel. Die hätte Groundspeak den Weg aller Virtuals gehen lassen sollen. Beschluss: Earth-Caches werden künftig ignoriert.
Dafür ist der Weg spannend. Die vorhandenen Karten sind alle an entscheidenen Stellen unvollständig: CN und OSM zeigen einen asphaltierten Fußweg, aber nicht den Wanderpfad. Die Topo-Karte zeigt alle Wege, nicht jedoch die Verbindungen dazwischen. Aufgrund der steilen Klippen um uns herum verlegt uns der GPS-Empfänger immer mal wieder 500 Meter zur Seite. So wird die Tour abenteuerlicher als geplant.
Weiter geht's. Auf in die Hardangervidda. Wir haben uns eine aus dem Wanderführer eine Runde im östlichen Teil der Hardangervidda, dort, wo sie nicht so steil ist, ausgesucht. Der Wanderführer schlägt vor, einmal den Storekrækkja-See zu umrunden. Das wären 13 Kilometer. Wir gehen ein bisschen weiter und machen eine zwei 2-Tage-Tour daraus. Tundra-Landschaft, aber auch die regenreichste Region Europas. Am ersten Tag regnet es fast den ganzen Tag,am zweiten Tag den ganzen. Das drückt auf die Stimmung. In dieser Gegend - über der Baumgrenze - gibt es auch keine Möglichkeit, sich mal unterzustellen. Kein Geocache weit und breit - nicht, dass die Gegend einen brauchen würde, ist auch so einfach toll. In Norwegen gibt es das "Allemannsretten", wild campen ist offiziell erlaubt. Wir suchen uns einen erhöhten Ort, an dem ordentlich Wind geht, nicht zu nah am Wasser. So haben wir keine Probleme mit den Mücken. Am Platz unserer Wahl angekommen packe ich aus. "Oooh, das ist aber klein!" ruft die Lebensabschnittspartnerin enttäuscht... Sie meinte natürlich das Zelt, mein extrem krasses Rab Summit Superlite Bivi. Ein 1-Wand-Zelt komplett aus eVent (wie Goretex, nur besser). Bei nur 1,5 kg Gewicht konstruiert, auch den härtesten Belastungen zu trotzen. Es wird als 2-Personen-Zelt verkauft, ist aber nur für zwei Personen geeignet, die sich sehr, sehr, gerne haben.

Weiter geht es nach Sand. Ein touristisch weitgehend unerschlossener Ort mit nur einem Geocache, an dem man Lachsen beim Springen zusehen muss. Dafür gibt es einen Micro und bescheuerte Logbedingungen. Wir sind auf dem Rückweg Richtung Süden. Ein letzter Zwischenstopp in Kile. Nur 45 Minuten von Kristiansand, von wo unsere Fähre geht, entfernt und das nächste freie Hotel in halbwegs akzeptablen Preisrahmen. Diaspora, was die Caches betrifft. Der nächste ist 15 km entfernt. Wirklich schnuckelig, das "Kile Bed and Breakfast". Eindeutige Empfehlung! Die Seen scheinen auch einen Besuch wert zu sein, aber leider haben wir keine Zeit mehr. Rückfahrt dann brutalstmöglich an einem Tag von Südnorwegen bis nach Koblenz. Das macht keinen Spass. Wir haben nichtmals für Autobahn-Caches gehalten.
An Kartenmaterial hatten wir die City Navigator Europe 2010, eine aktuelle Karte von OpenStreetMap und topografische Karten von Norwegen (Belanor Topo Adventure) am Start. Die Auto-Navigation mit der CN ist fast kein Problem. Aber wir stellen fest, dass unser Etrex Vista Hcx Fähren nicht mag. Da schlägt es lieber einen 5 Stunden Umweg vor, als dass es mal über eine Fährverbindung routet. Das macht die Routenplanung in Norwegen etwas umständlich.
Die Abdeckung der Wander-Karten überrascht. OSM ist nicht ganz so vollständig wie die CN (was sich für die Gegenden, in denen wir waren, jetzt natürlich etwas gebessert hat :-), Wanderwege sind kaum eingezeichnet. Sie dabei zu haben lohnt trotzdem, weil sie doch einige POIs mehr bietet als die CN, insbesondere auch nützliche Punkte für Reisende wie Supermärkte und Camping-Plätze. Die offiziellen Garmin-Topo-Karten sind wirklich detailgetreue Abbildungen der gedruckten Topo-Karten (1:50.000). Wirklich klasse gemacht, nur leider sind Wanderwege auf beiden Karten nicht eingzeichnet. Das hat mich dann doch gewundert; allerdings sind die Wanderwege tatsächlich in aller Regel kaum mehr als Trampelpfade, vielleicht liegt's daran. Vor Ort ist das dann auch kaum ein Problem, denn die Wege sind in eindeutig im Gelände zu erkennen. Die Tour in die Hardangervidda war der einzige Teil der Reise, wo die so richtig nützlich war. Aber für eine größere Hardangarvidda-Tour würde man ja schon aus Sicherheitsgründen zusätzlich Papier-Karten mitnehmen, und wenn man die OSM-Karte in Kombination mit Papierkarten hat, braucht's dann auch wieder keine Topo-Karte auf dem GPS-Empfänger.
Hier im Forum schwören ja viele auf GSAK für die Cache-Verwaltung. Normalerweise brauche ich so ein Tool nicht. Die Möglichkeiten der Pocket-Queries in Kombination mit ein paar selbstgestrickten Scripten zur Auflösung gelöster Rätsel-Caches etc. genügen mir. Da im Urlaub aber keine dauerhafter Internet-Zugang zur Verfügung stand, benutzte ich dann doch mal ein Tool. Kauf-Software versuche ich zu vermeiden, deshalb blieb GSAK außen vor, auch wenn es unter Linux - Wine sei dank - durchaus zufriedenstellend zu funktionieren scheint. Ich habe CacheWolf für die Verwaltung mitgenommen und QLandkarte in Kombination mit der OSM-Karte für die Kartenarbeit. Eine Kombination, mit der sich gut arbeiten ließ und die den Internet-Entzug erträglich macht.