Autor Thema: Rothaarsteig - die nächsten Etappen  (Gelesen 1001 mal)

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Offline GeoGerd

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Rothaarsteig - die nächsten Etappen
« am: 16. Februar 2011, 18:48:13 »
Intro

Regelmäßige Leser dieser Kolumne erinnern sich an meine Winter-Tour auf dem Rothaarsteig vor einem Jahr (http://cachebrett.de/outdooraktivitaten/rothaarsteig-im-winter). Obwohl ich schon am zweiten Tag abbrach, war es doch eine meiner spektakulärsten Wanderungen, die ich unbedingt - gerne wieder im Winter - fortsetzen wollte. Anfang Februar 2011 ist es dann so weit. Leider muss ich vor der Tour feststellen, dass meine neuen Schuhe auch schon wieder undicht sind. Aber egal, diese Tour wird nicht wegen nasser Füße abgebrochen! Ich habe ein paar Ersatz-Socken eingepackt, und es gibt ja noch den "Aldi-Membran" - Plastiktüten in den Schuhen.
Falls es mal regnen sollte - ich rechne ja eher mit Schnee - habe ich noch einen Poncho dabei, der sich auch zum Tarp aufspannen lässt. Außerdem - eine Erfahrung vom letzten Jahr - wird diesmal der Gaskocher eingepackt. (Tüten-)Nahrung nehme ich mit, frisches Wasser gibt es aus den Quellen am Weg oder es wird halt Schnee geschmolzen. Mit dem Wasser bei so einer Tour ist das ja auch so eine Sache. Bekanntlich ändert Wasser ja bei 0 Grad den Aggregatzustand. Einen Teil meiner Wassservorräte habe ich deshalb in einer Thermos-Kanne, der Rest wird direkt am Körper in der Fleece-Jacke getragen. Mit gefüllten Wasservorräten (1,75 l) und Proviant für vier Tage komme ich auf ein Rucksackgewicht von etwa 14 kg. Akzeptabel!

1. Tag - von Willingen bis kurz vor Winterberg

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage: Schneeregen, Wolken, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nicht gerade ein Traumwetter, aber was stört mich das Wetter, wenn die Ausrüstung angemessen ist? Geschickt schaffe ich es, mir die Socken schon nass zu mache, bevor ich überhaupt los laufe, aber auf nasse Socken habe ich mich ja eingestellt.

Ich steige mit der zweiten Etappe des Rothaarsteigs wieder ein. So bin ich zwar die ersten Kilometer der Strecke schon einmal gegangen - an der Hoppecke-Quelle hatte ich schon im Jahr zuvor mein Wasser aufgefüllt - aber das macht nichts, ich habe ja Urlaub. Der Langenberg - die höchste Erhebung Nordrhein-Westfalens - ist immer noch so unspektakulär wie schon letztes Jahr. Auch dieses Jahr scheitere ich am Cache - schon an der ersten Station. Ich glaube, das war letztes Jahr auch schon so. Beim nächsten Cache (http://coord.info/GC13F5B) gebe ich die Suche wegen der Schneedecke schnell auf.
Apropos Schnee: Angenehm fest und gut zu laufen ist er diesmal. Ich hatte ja im Vorfeld befürchtet, dass man da eventuell Schneeschuhe bräuchte. Die Befürchtung ist aber unbegründet. Dafür liegen noch einige umgestürzte Baumstümpfe vom letzten Sturm auf den Wegen. Teilweise muss man da richtig klettern oder Umwege nehmen.
Das waren die einzigen beiden Caches, die an diesem Tag direkt am Weg lagen (Earth Caches und Virtuals habe ich wie immer nicht gesucht). Eine magere Ausbeute. Für's Nachtquartier verlasse ich doch kurz den Rothaarsteig. http://coord.info/GC1T1E0 weist auf eine Schutzhütte hin, die doch ziemlich genau dort liegt, wo ich meine Tour beenden will. Die Hütte finde ich, den Cache nicht. Da der Hint doch recht eindeutig ist gehe ich davon aus, dass das Teil gemuggelt wurde. Die Hütte ist so neu, dass sie noch nicht mal auf OpenStreetMap eingezeichnet ist (jetzt natürlich schon :-). Ein nobles Teil. Kurz bin ich versucht, mir ein schönes Lagerfeuer in der Feuerstelle zu machen, aber ich will mich ja unauffällig verhalten. Bilanz: 21 km waren es heute, aber immerhin auch 991 m hoch und 904 wieder runter (diesen Höhenangaben ist nur sehr bedingt zu trauen, weil gerade in der Vertikalen die Messungen des GPS-Empfängers doch arg schwanken), kein Cache gefunden und 3 DNFs. Aber das geht schon in Ordnung. Schön war die Wanderung, und ich habe ja noch drei Tage vor mir. Da geht man es besser am Anfang mal etwas ruhiger an. Zum Abendessen gibt es Nudeln auf dem Gaskocher, der bei unter Null Grad schon deutliche Performance-Einbußen zeigt. Meine kümmerlichen Wasservorräte nehme ich mit in den Schlafsack, damit sie nachts nicht frieren.

2. Tag - Von Winterberg zum Albrechtsberg

Ich bin wieder total begeistert von meinem Schlafsack (Cumulus Alaska 900 - viel Daune für wenig Geld) das ich etwas länger drin bleibe. Erst um 9.30 Uhr mache ich mich wieder auf den Weg. Das Wasser hat gerade noch zum Zähneputzen gereicht. Frühstück und Kaffee gibt es erst später - gleich kommt ja die Ruhrquelle und dann Winterberg. Das sollte genügend Möglichkeiten bieten, die Vorräte aufzufüllen.

Morgens versucht die Sonne mal kurz durch die Wolken zu kommen, gibt aber schnell wieder auf. Es bleibt auf der gesamten Tour diesig, manchmal fällt etwas Schnee.  Meine Wasservorräte fülle ich an der Ruhrquelle auf. Da kommt also der Fluss her, der der Gegend wo ich herkommen tue den Namen gegeben hat. Nach dem DNF bei "Holz vor der Hütte" (http://coord.info/GCXQ2V) kann ich hier direkt den nächsten DNF hinlegen http://coord.info/GC14HNB. Den Earth Cache http://coord.info/GC22YE3 ignoriere ich. Ich will Dosen, nicht Bildung.
Eine unschöne Überraschung beim Frühstück: Da hat sich des Nachts doch glatt ein wildes Tier an meinen Nahrungsvorräten vergangen!Das ist eindeutig ein Haibiss in der Salami! Bei dem hohen Schnee wagen sich die Viecher ganz schön weit ins Landesinnere...
In Winterberg erwartet mich ein ziemlich Kontrastprogramm zur Einsamkeit der letzten 24 Stunden. Hier ist Pistengaudi angesagt! Ich bin erstaunt, wie viele Holländer hier sind, aber klar, das hier die nächste Wintersportgelegenheit. So lerne ich die einschlägigen Apres-Ski-Schlager nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Holländisch. Zum Glück habe ich meine Wanderstöcke kurz vorm Ort eingepackt (ich will sie ja nicht mehr missen, aber ein bisschen peinlich ist es mir doch noch, am Stock zu gehen), sonst würde ich da den komplett lächerlichen Eindruck von jemanden machen, der seine Ski vergessen hat. Das ist auch die einzige Stelle, wo mich die - ansonsten wirklich exzellente - Ausschilderung des Rothaarsteigs im Stich lässt und ich irgendwann tatsächlich mitten zwischen den Skiläufern stehe.
Weiter geht's. Lenne-Quelle, Kahler Asten. Die diversen Caches dort - http://coord.info/GCX0TK, http://coord.info/GC0HE und etwas später GC18JH6 - ignoriere ich, weil ich lieber auf dem Rothaarsteig weiter will, als Multis zu machen.Als völlig naturentfremdeter Stadtmensch kippe ich in das frische Quellwasser erstmal ordentlich Chemie, bevor ich es trinke. Ich setzte da auf Aquaventure zur Wasser-Desinfektion. Der nächste Tradi-DNF bei http://coord.info/GC2JKG1.
Oho, und da ist ja tatsächlich ein Stück Weg, dass noch nicht bei OpenStreetMap eingezeichnet ist! Das wird natürlich direkt ergänzt. Und zu guter Letzt, als sich der zweite Tag meiner Tour schon dem Ende neigt... der erste Fund: http://coord.info/GCQW2H! Ein unspektakuläres Teil. Warum in einer landschaftlich ebenso so schönen wie weiten Gegend wie dem Rothaargebirge Parkplätze mit Micros bedost werden müssen, werde ich wohl nie verstehen.

Inzwischen ist es schon dunkel. Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Diesmal wird tatsächlich das Tarp ausgepackt (bzw. der Regenponcho, den ich zum Tarp aufspannen kann). Ich biwakiere am Gipfel des Albrechtsberg. Und wieder etwas für die nächste Winter-Tour gelernt: Im Schnee sollte man wirklich Schnee-Heringe verwenden. Mit normalen Heringen wird man da nicht glücklich. Entsprechend schlaff hängt das Tarp auf meinen Schlafsack runter. Zum Glück bleibt es die ganze Nacht windstill und trocken. Bilanz für heute: 24 km Strecke, 1070 m hoch, 936 m runter.

3. Tag - Vom Albrechtsberg zum Hohen Hessel

Das nicht ordentlich aufgespannte Tarp hatte die Nacht über Kontakt mit meinem Schlafsack und das Kondenswasser konsequent auf meinen Schlafsack geleitet, der nun etwas feucht ist. Sehr unschön, denn Daune verliert bei Nässe ihre isolierende Wirkung. Die nächste Nacht werde ich besser ein paar Klamotten mehr anbehalten. Meine Wasservorräte sind wieder fast aufgebraucht und es ist keine Quelle direkt in der Nähe. Zum ersten Mal auf der Tour schmelze ich Schnee. Das geht auf dem Gasbrenner gar nicht so schlecht, braucht aber viel Zeit.
Erst gegen 10.30 Uhr komme ich los. Der Rothaarsteig ist so gut ausgeschildert, dass ich kaum auf den GPS-Empfänger schaue. So laufe ich an http://coord.info/GC1N4M, http://coord.info/GCF0B6 und http://coord.info/GC1P2QC vorbei, ohne es zu merken. Egal, das ist eine schöne Tour, auch ohne im Schnee nach Micros zu kratzen. Der Tag ist deutlich wärmer als die vorherigen, aber so richtig glücklich macht mich das nicht, denn die Wärme macht den Schnee schwer, klebrig und nass. Vorbei am Großen Kopf und Härdler geht es heute bis in die Nähe des Hohen Hessel. Teilweise gleicht die Tour einem Hindernis lauf, denn da liegen noch einige Baumstämme vom letzten Sturm auf dem Weg.

Nach den Erfahrungen der letzten Nacht beschließe ich, lieber nicht unter dem Tarp zu schlafen, sondern mir eine Schutzhütte zu suchen. Die, in der ich mein Nachtquartier aufschlage, liegt an einem auch von Autos befahren Weg. Ich stelle mir erstmalig auf der Tour einen Wecker, um morgens möglichst früh wieder weg zu sein. Die Tagesbilanz: 23 km Strecke, 800 m hoch, 924 m runter, kein Cache.

4. Tag Vom Hohen Hessel nach Hilchenbach

Dank Wecker bin ich schon um 6 Uhr auf und beginne den Tag erstmal mit meinem DNF bei http://coord.info/GC2MOA3. Direkt weiter geht es zu http://coord.info/GC19XQR ("Gemüse Bouillion") und dort kann ich tatsächlich mal wieder einen Find ("Find" heißen das, nicht "Found"!) loggen - obwohl von der Aussicht wegen des Nebels eher nichts zu sehen ist und man so als Daumenregel ja nichts falsch macht, wenn man Caches, die nach ihrem Behälter benannt sind, weiträumig umgeht. Interessanter Inhalt: Ein Durchfallmittel - wer legt denn so was bitteschön in einen Cache? Und wer tauscht so was raus? Weiter gehts. http://coord.info/GC19VEA - uups, dran vorbei gelaufen. Dafür drehe ich nicht nochmal um. http://coord.info/GC19WQQ ("Delikatess Brühe") - da halte ich mich dich glatt mal an die Daumenregel.  http://coord.info/GC15WZ5 - so schwer sollte es laut der Logs gar nicht sein, ich habe trotzdem keinen Erfolg (abgesehen davon, das auch da wieder souverän in landschaftlich schönster Gegend ein Micro direkt an die Straße gepappt wurde). http://coord.info/GC1XGAZ - ich bleibe mir treu - DNF.
Schon zum zweiten Mal fällt mir bei einer Rast auf, dass da jemand den Boden der Hütte mit Moos ausgelegt hat. Offensichtlich bin ich nicht der einzige Verrückte, der solche Orte als Übernachtunsplätze nutzt. Wobei ich es nicht so toll finde, da das Moos aus der Natur zu rupfen und dann dort liegen zu lassen. http://coord.info/GC1XGAP, dank eindeutigem Spoiler im vorherigen Log (auch schon zwei Monate her) habe ich mal wieder einen Erfolg. Zum ersten Mal im neuen Jahr gefunden! Obwohl es ja nun wirklich nicht weit weg vom nächsten Weg ist, hat dieser Ort irgendwie etwas Vergessenes.
Ich komme nach Hilchenbach, dem Endpunkt meiner Wanderung. http://coord.info/GC113QJ.  Ein Seriencache. Ein Micro. In der Stadt. Aber: Hat mir gut gefallen das Teil! Der Cache ist an einem Objekt versteckt, an dem ich sonst wohl achtlos vorbeigelaufen wäre, aber das es wirklich wert ist, dass man es sich nochmal genauer anschaut. Und das Cacheversteck ist wirklich gut gemacht. Geht doch! Zum Abschluss dann noch http://coord.info/GC14BFT. Ein Nano an einem Gotteshaus. Da steh ich ja gleich doppelt drauf. Aber so bekomme ich die Zeit herum, bis mich der Zug zurück in Zivilisation bringt, oder was man hier halt so dafür hält.
Tagesbilanz: 25 km, 819 m hoch, 1113 m runter, und heute sogar mal ein paar Caches gefunden!

Fazit

Das war eine schöne Winterwanderung an einem verlängerten Wochenende. Ein Arbeitskollege hat sich direkt meine Fotos für erzieherische Zwecke geben lassen: Jetzt kann er seiner Tochter drohen, dass sie auch draußen im Schnee schlafen muss, wenn sie sich nicht benimmt. Aber das ist ja quatsch - mit der passenden Ausrüstung ist so eine Tour total entspannt.

Gesammelte Reiseberichte
« Letzte Änderung: 16. Februar 2011, 18:51:32 von GeoGerd »

Offline panthalassa

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Re: Rothaarsteig - die nächsten Etappen
« Antwort #1 am: 16. Februar 2011, 19:11:54 »
Wie immer ein sehr interessanter und unterhaltsamer Bericht.
Respekt, ordentliche Leistung, eine Tour ganz nach meinem Geschmack!

Offline dieSchaerjer

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Re: Rothaarsteig - die nächsten Etappen
« Antwort #2 am: 17. Februar 2011, 15:15:55 »
Klasse, vielen Dank für den schönen Tourbericht.
Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.

Geisbock1212

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Re: Rothaarsteig - die nächsten Etappen
« Antwort #3 am: 18. Februar 2011, 20:34:43 »
Sehr stark, Gerd, so kenne ich Dich! Hat Spaß gemacht das zu lesen. Danke dass Du uns an Deinen tollen Touren teilhaben lässt.

Gruß Dirk