Ein paar Tage Urlaub übrig, eine Silvesterparty am Fuß des Calmont-Klettersteigs und ein frisch angelieferter Schlafsack mit Komforttemperaturbereich bis 17 Grad, und das minus - da war klar, wie ich die letzten Urlaubstage nutzen würde.
Die Anfahrt, ganz zivilisiert mit dem Auto, musste cachetechnisch noch etwas kurz gehalten werden. Nachdem schon auf den ersten Autobahnkilometern die Beifahrerin den Fahrer - völlig zurecht! - wegen seines schlechten Musikgeschmacks verprügelt hatte, war die Stimmung etwas angespannt. An einem klassischen Rastplatz-Cache (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC1Y0V4) wurde zwar kurz angehalten, der Cache erwies sich für uns dann aber doch als zu klassisch. Nach einem Blick auf Dose und den umliegenden Müll sahen wir von physischer Interaktion mit der Dose ab. Was mich an ein Gespräch mit der mitreisenden Lebensabschnittsgefährtin vor einiger Zeit erinnerte: "Schatz, Du weisst ja, ich treffe fremde Männer im Wald." "Na, hoffentlich benutzt Ihr wenigstens Kondome." "Sagen wir es so, wenn ich an die ganz schmutzigen Stellen komme, ziehe ich Gummihandschuhe an." Die haben hier eindeutig gefehlt - die Gummihandschuhe, nicht die schmutzige Stelle.
Der nächste Stopp war dann kurz an "Burg Fun" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC1Z8Y1), aber der Cache da mitten im Vergnügungsbunker entsprach nicht so unseren Vibes, weswegen wir ihn dann doch nicht gesucht haben. Einen Tag später sollte ich den Cache dann erneut nicht suchen, weil ich immer noch nicht in der richtigen Stimmung für Cache-Suche in zivilisiertem Gebiet war. Kurz vor Ankunft haben wir's dann aber doch nochmal probiert und sind am "Lehmer Turm" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC1ZD6X) tatsächlich fündig geworden. Der letzte Cache des Jahres. Danach wurde erstmal Silvester gefeiert.
Nach dem Aufstehen im neuen Jahrzehnt (oder ist das auch so eine Sache, dass das erst 2011 anfängt?) ging es also los zum "Calmont Walk (Replacement)" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC61DC). Vor dem Losgehen habe ich mir noch schnell 2 Liter Wasser in den Magen gedrückt; das sparte Gewicht auf der weiteren Tour. Apropos Gewicht: Der 35-Liter-Rucksack war mit dem Zeug für 3 Tage im Schnee gut gefüllt, die Wage zeigt eine moderate Belastung: 7,3 kg ohne Verpflegung, 11,3 kg inkl. Wasser und Nahrung. An der ersten Schutzhütte erstmal auf dem Esbit-Kocher einen begrenzt leckeren Kaffee gekocht (Note to self: nächstes Mal nicht nur Kaffee, sondern auch Milchpulver mitnehmen) und ein bisschen gefrühstückt. Koffein und frische Luft lassen die Kopfschmerzen langsam verfliegen. Der Spaß beginnt.

Vom Terrain ist der Calmont-Klettersteig recht harmlos, ein paar Leitern, ein paarmal kann (und sollte) man sich an einem Drahtseil zur Absicherung festhalten, aber Klettersteigset ist definitiv nicht nötig. Landschaftlich ist der Steig natürlich sehr schön. Man hat auch einen hervorragenden Blick auf den hervorragenden Cache ;-) "Kloster Stuben" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC16G2P) - siehe Foto. Bei diesigem Wetter am 1.1. war auch erfreulich wenig auf dem Steig los. Außer einem Pärchen ist mir nur eine weitere (allerdings sehr große) Gruppe begegnet. Außer dem "Hauptcache" lagen noch zwei weitere Geocaches auf dem Weg. Mir erschließt sich ja nicht, warum man mitten in die Route eines Multis noch einen Earth-Cache bzw. einen Tradi klatschen muss, aber wenn man mal da ist, kann man ja einen Blick drauf werfen. Der Earth-Cache (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC20CTY) ist so ein Standard-Teil, Info von einem Schild ablesen und Foto machen. Kann man ja mal gerade machen, wo man da ist... Aber echt, Earth-Caches sind auch nichts anderes als Virtuals und können von mir aus gerne abgeschafft werden. Der Micro "Calmont" auf dem Weg (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC20RTV), ein Petling, der irgendwo in einem Bruchsteingebiet abgeworfen wurde. Außer dem Erstfinder hat sich niemand erbarmt, die Suchzeit zu investieren - ich auch nicht. Zwischenbilanz: einen "richtiger Cache" gefunden, aus Gnade die Informationen für einen Earth-Cache besorgt, dreimal DNF wegen mangelnder Cache-Qualität. Ich komme mir langsam richtig arrogant vor.

Die Temperaturen lagen leicht unter dem Gefrierpunkt und es schneite. Ich trug die meiste Zeit über dem Funktionsshirt nur eine Fleece-Jacke und einen Baumwoll-Pulli. Die gefütterte Jacke wurde nur in den Pausen angezogen. Untenrum reichet eine dünne lange Unterhose unter der Trekking-House; nur bei langen Pausen wurde noch eine lange Fleece-Unterhose dazwischen geschoben. Das war zwar etwas kühl, aber die Hauptgefahr bei Winter-Touren ist ja, dass man sich zu dick anzieht, die Klamotten vollschwitzt und dann in den nassen Klamotten anfängt, richtig zu frieren.
Leider war der Klettersteig doch recht kurz. Der Cache führte auf moderaten Wanderwegen zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem Calmont-Steig zeigte sich auch schon, dass die Strecke meiner Tour bei OpenStreetMap schon recht gut erfasst ist. Ein paar Schutzhütten und den einen oder anderen Weg konnte ich noch eintragen, aber das meiste war schon da - sehr schön!

Da ich recht spät gestartet war, war es aber schon richtig knackig dunkel, als ich den Cache im Steilhang suchte - heikel. Nach erfolgreichem Log ging es dann auf dem Moselhöhenweg die Mosel runter. Langsam war es auch an der Zeit, sich Gedanken über die Übernachtung zu machen. Absehbar war, dass ich an diesem Tag ungefähr bis Cochem kommen würde. Blöd, da verläuft der Moselhöhenweg mitten durch die Stadt. Als mal auf der Karte geguckt, was nach guten Übernachtungsmöglichkeiten aussieht. "Blick zur Ruine Winneburg" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC1Y4FJ) in der Nähe weist auf eine Burgruine hin - das wäre doch vielleicht was. Allerdings zeigt die Karte auch relativ viel Zivilisation (Gasthof, Camping-Plätze) in der Nähe der Ruine, und Wikipedia schreibt, dass die Ruine von einem Verein betreut wird. Gut möglich, dass da Sonntag morgens jemand vorbeischauen würde. Außerdem war die Ruine eher etwas zu weit weg. Sonst ist in der Nähen noch der Cache "Alte Cochemer Straße" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GCGKQ1). Die Beschreibung liest sich fast, als wäre da wenig los. Also der Plan: Zu dem Cache und dort irgendwo mein Tarp aufschlagen. Auf dem Weg nochmal einen Blick auf "Burg Fun" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC1Z8Y1) geworfen, hatte aber immer noch keinen Bock auf Wärme, Zivilisation und Menschen, weswegen ich den Cache zum zweiten Mal nicht suche. Auf dem Weg dann noch ein paar Jäger getroffen, die gerade auf Pirsch gehen wollten. Offensichtlich hielten sie mich für etwas bekloppt, trotzdem verabschiedete man sich freundlich.
Als ich endlich dort in der Gegend der "Alten Cocherm Straße" ankam, beschloss ich, den Cache erst am nächsten Morgen zu suchen. Es war gegen 22.30 Uhr, eigentlich wollte ich um die Zeit schon längst im Schlafsack liegen, um morgens wieder aufzubrechen, bevor die ersten Waldspaziergänger auftauchen. Mit 25 Kilometern (und einige Höhenmetern!) habe ich mich an diesem Tag auch etwas zu sehr verausgabt. Wenn das an den nächsten Tagen nicht noch zum Problem wird. Leider erweist sich auch dieser Ort als eher ungeeignet zum Nächtigen: Das ganze Gelände ist sehr uneben und abschüssig. Aber die Topo-Karte zeigt einen Aussichtspunkt in der Nähe. Vielleicht steht dort eine Hütte, ansonsten würde es zumindest einigermaßen flach sein. Eine Hütte war vor Ort zwar nicht zu finden, aber wenigstens eine Bank, an der ich mein Tarp aufbauen konnte. Der Aufbau war nicht gerade ein Meisterleistung der Ingenieurskunst, aber für den leichten Schnee, der fällt, sollte es reichen. Wenn es aber windiger gewesen wäre oder es richtig geregnet hätte, hätte ich an der Stelle ein Problem gehabt.
Zum Abendessen wurde Kartoffel-Püree auf dem Kocher warm gemacht und mit Dauerwurst verfeinert. Danach ging es ab in den Daunenschlafsack. Die Wasservorräte kamen mit in den Sack, denn sie finge schon langsam an zu frieren. Außerdem nahm ich meine gesamte Kleidung mit rein - ich hatte keinen Bock, dass sie morgens beim anziehen halb gefroren ist. Der "Cumulus Alaska 900"-Dauenschlafsack mit Komforttemperatur bis -17° bot ein herrliche warmes Gefühl, aber die Therm-A-Rest-Matte war auf dem Steinboden an ihrer Leistungsgrenze angelangt. Nach unten hin (Konduktion, wie der Fachmann sagt) wurde es kühl. Trotzdem verbrachte ich eine warme und erholsame, wenn auch etwas kurze Nacht da draußen bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Es war eine gute Idee, nicht nur eine Mütze, sondern darunter noch eine Sturmhaube zu tragen; so blieben auch Gesicht und Nase einigermaßen warm.
Am nächsten Tag spürte ich die Belastungen vom Vortrag; die Beine sind schwer und das Knie schmerzt. Trotzdem geht es gut weiter. Zum Auftakt wurde erstmal der Cache vom vorherigen Abend gefunden. Dann ging es weiter auf dem Moselhöhenweg. Sehr schön, wenn die Sonne auf den unberührten Schnee fällt. Die Mosel und ihre Nebenflüsse (eher -bäche) führen ganz schön viel Wasser. Da war es kein Problem, die Wasservorräte zu füllen. Bei diesen schnell fließenden Bächen hätte man das oben am Hang abgezapfte Wasser wahrscheinlich auch direkt trinken können. Ich desinfizierte trotzdem zur Sicherheit mit ein paar Tropfen "Aquamira", dem Nonplusultra der chemischen Wasseraufbereitung.

An Caches lag hier erstmal nicht viel herum. Ein kurzer Abstecher nach "THE BIG CACHE" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC11CFX). Wieder stellte sich die Frage, was so ein Cache soll: Kein besondere Ort, kein besonderes Versteck, keine besondere Dose, keine besondere Geschichte, keine besondere Aufgabe. Ärgerlich vor allem, wenn keine 100 Meter entfernt ein alter, halbüberwucherter jüdischer Friedhof im Wald liegt. Da hätte er den Cache mal lieber plazieren sollen.
Weiter ging es auf dem Moselhöhenweg. Der führt wieder näher an die Zivilisation. Ich kam nach Klotten. Es war inzwischen Mittag. Der Lebensabschnittspartnerin hatte ich zugesagt, die Tour abzukürzen und noch an dem Tag nach Hause zu kommen. Also der Plan: Hier noch gerade den Multi "Dortebachtal" (
http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GCGQ04) machen, der sich nach den Logs sehr gut anhört, und dann ab in den Zug nach Koblenz. An der ersten Station füllte ich nochmal die Wasservorräte auf. Doch was war das? Kein Satelliten-Empfang mehr? Ich wartete 10 Minuten. Immer noch kein Empfang. Der - schlechte - GPS-Empfänger im Handy hatte die Position inzwischen ermittelt. Es ist also kein generelles Problem mit dem GPS-System. Auch nach weiteren 10 Minuten und mehrmaligen Ein- und Ausschalten wollte das Etrex immer noch nicht. Ich beschloss, die Tour hier zu beenden und zurück zum Bahnhof Klotten zu gehen. In der gegebenen Situation war der Ausfall des GPS-Empfängers nicht weiter ein Problem, aber richtig in der Wildnis hätte das zu einer kritischen Situation führen können. Es stimmt also, man sollte sich in Gegenden, in denen man sich wirklich verlaufen kann, nicht allein auf einen GPS-Empfänger verlassen.
Nach ausgiebiger Internet-Recherche stellt sich übrigens heraus, dass die Empfänger-Komponente des Etrex ihre Firmware "vergessen" hatte. So ein Etrex hat zwei Firmwares: Eine, die die allgemeine Funktionalität (Benutzerschnittstelle etc.) zur Verfügung stellt, und eine für den eigentlichen GPS-Empfänger. Das Etrex vergisst letztere wohl manchmal. Das erkennt man daran, dass keinerlei Satelliten mehr gefunden weden und im Menü zur Software-Version (unter Main Menu/Setup/System/SoftwareVersion) also 'GPS SW Version' 0.00 angezeigt wird. Der WebUpdater von Garmin (muss eventuell mehrmals aufgerufen werden) schafft Abhilfe.